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Auszug aus dem Vorwort

des Herausgebers Hans Heinrich Eggebrecht aus dem Jahr 1972

 

I

Das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie geht von der Tatsache aus, daß die musikalischen Fachwörter im Denken und Sprechen über Musik von jeher eine maßgebende Rolle spielen. Ihr Bezeichnungsgehalt, ihre Bedeutung und Verwendungsweise, ist daher von spezifischem Interesse; er ist wissenswert, um die Wörter richtig zu verstehen und richtig zu gebrauchen. Dies gilt für die Vergangenheit und die Gegenwart.

Was die musikalische Terminologie der Vergangenheit betrifft, so hängt die Entscheidung über die Richtigkeit des Verstehens und Gebrauchens musikalischer Fachwörter objektiv ab von der Kenntnis ihres einst intendierten Bezeichnungsgehalts, ihres historisch jeweiligen Bedeutens. Diese Jeweiligkeit des Bedeutens der musikalischen Termini will das Handwörterbuch aufschlüsseln, indem es den musikalischen Gebrauch der Wörter nennt, datiert und belegt und dabei so chronologisch und geschichtlich verfährt, wie die Wortverwendungen zeitlich aufeinanderfolgen und geschichtlich zusammenhängen. Insofern versteht sich musikalische Terminologie als Wissenschaft von der Bedeutungsgeschichte musikalischer Fachwörter.

Aber auch in bezug auf die musikalische Fachsprache der Gegenwart liegt die Entscheidung über die Richtigkeit des Verstehens und Verwendens der überkommenen oder neu entstandenen Termini nicht im definitorischen Belieben des einzelnen oder dieser Gegenwart, sondern die musikalischen Fachwörter bringen aus ihren Entstehungsprozessen und ihrer Geschichte Bedeutungen, Bezeichnungsgehalte, Sinnintentionen mit, so daß ihnen die willkürliche Verwendung ebenso inadäquat ist wie die dogmatische Definition und sie darüber hinaus bei unreflektiertem Gebrauch das Denken und Sprechen über Musik nicht nur verwirren, sondern auch unbewußt beeinflussen. Der Willkür und dem Dogmatismus, der Verwirrung und der unreflektierten Präfixierung des Denkens beim Gebrauch musikalischer Wörter will das Handwörterbuch durch die Aufdeckung ihrer Herkunft und Bedeutungsgeschichte entgegenwirken.

Musikalische Termini sind keine beliebig austauschbaren Chiffren, sondern Wörter, die bei ihrer Besonderung zum Terminus schon aus ihrer vor- bzw. außermusikalisch vokabularen oder terminologischen Verwendung eine Bedeutung haben und anbieten und von daher die Sachen und Sachverhalte, die sie im Sinnbereich der Musik bezeichnen, zugleich in einer bestimmten Weise begreifen. Im Bezeichnungsprozeß spielt sich ein Begreifensprozeß ab, dessen Entschlüsselung die musikalische Terminologie zu einem Verstehensinstrument für Sachen und Sachverhalte in ihrem geschichtlichen Sein und Gelten macht. Im Sinne des Begreifens von Sachen und Sachgeschichte durch Wörter bearbeitet das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie die Termini als Begriffswörter und Terminologie als Begriffsgeschichte. Dabei versuchen die Artikel, soweit möglich, die Entstehung der musikalischen Begriffswörter aufzuzeigen und als Begreifensprozeß durchsichtig zu machen; sie verfolgen den musikalischen Wortgebrauch in seinem Verhältnis zur Sachgeschichte und notieren deren Rückwirkung auf den Verwendungsgehalt des Wortes sowie die sprachliche, kontextliche, etymologisierende und definitorische Anpassung des Begriffswortes an den Sachwandel; sie verzeichnen die mehrmalige, voneinander unabhängige Erhebung eines Wortes zum musikalischen Fachwort; sie fragen kritisch nach den Ursachen und Folgen eines verwandelten oder neuartigen, äquivalenten oder mehrdeutigen, irrtümlichen oder willkürlichen, polemischen oder dogmatischen, absterbenden oder erneuerten Wortgebrauchs; sie registrieren die Begriffstraditionen und -traditionalismen, -negationen und -innovationen, beachten die Interdependenz und Funktionalität der Begriffe in ihrem Begriffs- und Kategoriensystem, reflektieren wissenschaftsgeschichtlich und soziologisch die jeweilige Position der Begriffssprache und bedenken auch am Einzelfall sowohl die Theorie und Methodologie musikalisch begriffsgeschichtlicher Forschung als auch die Prinzipien und die Geschichte der abendländischen Musikterminologie insgesamt.

Im Fortschreiten der Musik wird benannt, was es noch nicht gab, und im Verständnis ihrer Geschichte wird aus gegenwärtiger Perspektive begriffen, was noch nicht bekannt war. Für die Prozesse der Begriffsfindung kann die begriffsgeschichtliche Forschung keine Rezepte geben. Der Begriffshistorismus ist ihr ebenso unangemessen wie die normative Bedeutungssetzung, und obschon sie der Willkür im Wortgebrauch entgegenwirkt, liegt es ihr doch fern, das Begreifen und Verstehen durch Empfehlung eines Wortgebrauchs einzuengen. Was die Begriffsforschung für die Begriffsfindung leisten kann, besteht darin, daß sie am historischen Material deren Prinzipien, das Grundsätzliche ihrer Prozesse und Abhängigkeiten durchsichtig macht und das Bewußtsein für die Begriffssprache schärft.

Die begriffsgeschichtliche Frage und Forschung entstammt einem geisteswissenschaftlich orientierten Entwurf der Musikwissenschaft, ohne jedoch mit ihm identisch zu sein, in ihm sich zu erschöpfen. In den Begriffswörtern transformiert sich die Musik aus dem essentiell begriffslosen Denken in Tönen auf die Ebene des Verbalen, des Denkens in Wörtern, und die Begriffsgeschichte registriert die Ergebnisse dieser Transformation und reflektiert den Transformationsprozeß. Eine kritische Theorie der Geschichte und der Gegenwart der Musik, welche auch immer, muß wissen, wie der Gegenstand, den sie zu ihrer Theorie bringt, gedacht wurde, und wie das Denken, das sie reflektiert, sich dachte. Geschichtsverständnis muß in die Begriffsgeschichte hinein, wenn sie über sie hinauskommen will.

(Zur Begriffsgeschichte aus philosophischer Sicht vgl. das Vorwort von J. Ritter zu dem von ihm herausgegebenen Historischen Wörterbuch der Philosophie, Band I, Basel 1971, dort den Artikel Begriffsgeschichte von H. G. Meier.)

II

Der ersten Auslieferung des Handwörterbuchs der musikalischen Terminologie gingen als Zeit der Planung und Vorarbeit die Jahre von 1950 bis 1955 und ab 1965 voraus. Angeregt seitens der Philosophie, namentlich durch Erich Rothacker und dessen Plan eines Begriffsgeschichtlichen Wörterbuchs der Philosophie, begann Wilibald Gurlitt um 1950, das musikterminologische Handwörterbuch zu konzipieren und im Rahmen der 1949 gegründeten Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Sitz Mainz) vorzubereiten, seit 1951 zusammen mit dem jetzigen Herausgeber als ständigem Mitarbeiter. Das Ziel war eine umfassende Aufarbeitung und lexikalische Darstellung der musikalischen Begriffsprägungen in Geschichte und Gegenwart als Beitrag zur Klärung und Präzisierung der musikalischen Fachsprache und zu ihrer Erschließung nicht nur als Instrument des Verstehens der Wortbedeutungen in ihrer geschichtlichen Differenziertheit, sondern auch als Quelle des Erkennens der bezeichnungsgeschichtlichen Prozesse, beides aus der Einsicht, daß sich in den Begriffswörtern und ihrer Geschichte eine spezifische Weise des Begreifens der Sachen bekundet.

Gurlitt ging so zu Werke, daß er ein Planungsverzeichnis von rund tausend Termini erstellte und eine Bestandsaufnahme der bisherigen musikterminologischen Literatur und eine kritische Bibliographie der musikterminologischen lexikographischen Publikationen in Angriff nahm. Die Artikel wurden nach Gruppen erarbeitet (Tanzbezeichnungen, liturgische Termini, Form- und Gattungsbenennungen usw.) unter Einbeziehung der terminologischen Vorarbeiten und der lexikographischen Literatur der in Frage kommenden Wissenschaften und auf der Grundlage des jeweiligen "Suchens nach Belegen" in den musikgeschichtlichen Quellenwerken. Gurlitt veranschlagte 1950 optimistisch den Umfang des Handwörterbuchs auf 2 Bände zu je 400 Seiten und die Arbeitszeit auf etwa 5 Jahre.

Aus finanziellen Gründen konnte die Akademie ab Herbst 1953 die Stelle eines ständigen Mitarbeiters am Handwörterbuch nicht aufrechterhalten. Statt dessen gewährte die Deutsche Forschungsgemeinschaft dem bisherigen Mitarbeiter ein Stipendium zum Ausarbeiten einer Habilitationsschrift Studien zur musikalische Terminologie (Prinzipien und Geschichte der musikalischen Begriffswörter) mit einem Anhang über die Geschichte der musikterminologischen Lexikographie (erschienen, ohne den Anhang, Wiesbaden 1955, 21968). Hier wurde versucht, aus den Fragestellungen, Erfahrungen und Materialien der bisherigen Arbeit am Handwörterbuch zu einer Klärung des Sinns und Ziels, der Grundsätze und der Methode der begriffsgeschichtlich orientierten musikterminologischen Forschung zu gelangen, - ein Versuch, der dadurch erschwert war, daß auch in den Nachbardisziplinen, selbst in der Philosophie, eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, "Begriffsgeschichte" damals noch nicht vorlag und daß Erfahrung und Materialsammlung des Verfassers zu jener Zeit noch relativ gering waren und sich hauptsächlich auf die neuzeitliche Musikgeschichte erstreckten.

Durch Gurlitts Neubearbeitung des Riemann Musiklexikons ab 1955 und seinen Tod 1963 sowie durch die neuen Aufgaben, vor die der Schreiber dieses Vorworts durch seine Umhabilitation an die Universität Erlangen (1955) und seine Berufung an die Universität Freiburg i. Br. (1961) gestellt wurde, wo er ab 1963 die Herausgabe des Sachteils des Riemann Musiklexikons zu übernehmen hatte, kam die Arbeit am Handwörterbuch zum Erliegen. Ein großer Teil des bisher Erarbeiteten ging - mit dankenswertem Einverständnis der Akademie - in den Sachteil des Riemann Musiklexikons ein. Als der Unterzeichner dieses Vorworts 1965 als Nachfolger Gurlitts zum ordentlichen Mitglied der Akademie in Mainz gewählt wurde, sah er es als seine Aufgabe an, den Plan des Handwörterbuchs der musikalischen Terminologie nun zu verwirklichen. Im gleichen Jahr wurde Fritz Reckow als Mitarbeiter am Handwörterbuch von der Akademie eingestellt, später aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch Wolf Frobenius und Erich Reimer, und wir begannen als Arbeitsteam, das Unternehmen in Gurlitts Sinn fortzuführen, indem wir es gleichwohl methodisch auf eine neue Basis stellten und ihm in mancher Hinsicht einen anderen Charakter gaben.

Denn so dringend ein musikterminologisches Nachschlagewerk auch erwartet werden mag und so sehr die finanziellen Stellen, die Verlage und Käufer in der Regel auf Umfangs- und Terminplanungen bedacht sein müssen, hatte sich doch gezeigt, daß bei diesem Unternehmen eine Form der Erarbeitung nach einem vorfixierten Stichwortverzeichnis, Umfang und Erscheinungstermin und eine Veröffentlichung in Bänden oder Lieferungen, die ab Buchstabe A fortschreiten, also eine im engeren Sinne lexikalische Publikationsart, im jetzigen Stadium musikterminologischer Forschung arbeitstechnisch nicht möglich ist: mit Sicherheit wäre das Unternehmen abermals in den Vorarbeiten stecken geblieben. So galt es, in einer offenen Form der Arbeit und einer relativ freien Publikationsweise ein Arbeitsinstrument zu beginnen und aufzubauen, das vorerst weniger auf die Fertigstellung abzielt, als seinen Sinn in der sofortigen, sich beständig erweiternden, ergänzenden und erneuernden Verfügbarkeit hat. Nicht so sehr mit einer Sache von A-Z will das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie verglichen werden; vielmehr ist es als ein musikterminologisches Periodikum anzusehen, das jedoch von vornherein als Nachschlagewerk angelegt ist. Nach Erscheinungsweise, Anlage und Umfang ist es Periodikum, Handbuch und Wörterbuch zugleich.

III

Die offene Form gilt auch in bezug auf die einzelnen Artikel. Die Erscheinungsart in Loseblattform, bei der die Artikel jederzeit durch Nachträge verbessert und ergänzt werden können, trägt der Tatsache Rechnung, daß sich die Musikterminologie noch in einem relativ frühen Stadium der wissenschaftlichen Bearbeitung befindet. Im Unterschied zu einem lexikalischen Artikel, der gesichertes Wissen referierend zusammenfaßt, muß die musikterminologische Arbeit, wo immer sie auf Monographie abzielt, aus Mangel an begriffsgeschichtlichen Vorarbeiten nicht selten vom Detail bis zur Gesamtkonzeption eines Artikels Neuland betreten. Dabei ist sie mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert, von denen nur die folgenden genannt seien: die noch allgemein bestehende Unsicherheit gegenüber vielen Schriften der älteren Zeit (hinsichtlich Textgestalt, Datierung, Lokalisierung, Zuschreibung, Abhängigkeiten, Verbreitung und Grad der Repräsentanz); die oft heftigen Probleme der Detailinterpretation von Textstellen; die große Zahl und die über die Fachgrenzen weit hinausreichende Vielfalt der für jeden Artikel sich anbietenden Quellen in ihrer zu berücksichtigenden Verschiedenartigkeit nach Gattung und Intention; die noch schmale systematische Grundlegung durch das Verzetteln der Quellenwerke und die leider noch geringe Zahl der terminologisch vollständigen Register bei Neueditionen von Texten; das Arbeiten also noch weithin auf der Basis des Suchens nach Belegen und das Risiko des Übersehens auch wichtiger Belegstellen. Dies alles verbietet es, die Artikel als ein schon Vollkommenes anzubieten. Indem sie über die bisherige terminologische Information grundlegend hinauszugelangen versuchen, wollen sie doch nur erst als etwas Vorläufiges angesehen und als etwas Korrigierbares, Ergänzbares und Ersetzbares veröffentlicht werden, wobei es gilt, die Vorläufigkeit nicht zu verschleiern, sondern dem Leser durchsichtig zu machen.

'Offen' sind auch die Anlage und die formale Gestaltung der Artikel. Zwar wurde vom Freiburger Arbeitsteam der in der ersten Auslieferung vorliegende Artikeltypus für das Handwörterbuch entwickelt, nachdem er in verschiedenen Stadien der Erarbeitung öffentlich zur Diskussion gestellt worden war, mit dem Erfolg einer dankenswerten kritischen Mitarbeit zahlreicher Musikologen (vgl. die Berichte I und II über das HmT in AfMw XXV, 1968, und XXVII, 1970). Gleichwohl soll es den Mitarbeitern freistehen, auch andere Formen begriffsgeschichtlich monographischer Artikel zu konzipieren und durchzuführen, sowohl hinsichtlich Gliederung, Umfang, Belegverfahren, Übersetzungsfrage usw. als auch im Blick auf die Methode der Begriffsgeschichte und die Prinzipien ihrer Darstellung, die zu wählen hat z. B. zwischen einer systematisch nach Wortverwendungen disponierten und einer streng chronologisch (quasi von Beleg zu Beleg) fortschreitenden Gliederung. Der Benutzer des Handwörterbuchs wird auch experimentelle Artikel akzeptieren und sich auf mehrere Grundformen einstellen können, sofern sie klar durchdacht und im Schriftbild sinnfällig sind und den zur Verfügung stehenden typographischen Möglichkeiten sich einpassen.

IV

Bei der Konzeption und formalen Gestaltung der Artikel des Handwörterbuchs der musikalischen Terminologie sind, wie immer sich der Autor entscheiden mag, gleichwohl einige grundsätzliche Fragen zu bedenken, die durch den vorliegenden Artikeltypus in bestimmter, wenn auch, wie gesagt, offener Weise beantwortet wurden.

1. Was hier als STICHWORT erscheint, ist nicht eine Sache, sondern die Bezeichnung einer Sache, ein Begriffswort. Dem entsprechend handelt der Artikel nicht von der Beschreibung und Geschichte der Sache, sondern von der Entstehung und Geschichte des Begriffsworts, seines Gebrauchs und Bezeichungsgehalts. Dabei ist die Sache zwar beständig präsent, kommt aber nur insoweit zur Sprache, als es die bedeutungsgeschichtlich orientierte Darstellung beim Verfolgen des Verhältnisses zwischen Wort und Sache erfordert. Als Sache wird das Bezeichete nicht selten speziell dort hervortreten, wo unter bezeichnungsgeschichtlichem Aspekt ihre synchrone oder diachrone Mehrfachbenennung zu berücksichtigen ist.

In erster Linie bietet und belegt die begriffsgeschichtliche Monographie die Aufschlüsselung der Wortbedeutungen. Dabei werden die Fragen nach den Ursachen eines Wortgebrauchs und seiner Veränderung sowie nach den Begreifensprozessen und ihrem geschichtlichen Zusammenhang, also die im eigentlichen Sinne "begriffs"-geschichtlichen Fragen nicht immer oder noch nicht immer zu beantworten sein. Gleichwohl sollten sie stets mit bedacht und nach Möglichkeit in die Darstellung miteinbezogen werden.

2. Da die Artikel des Handwörterbuchs als begriffsgeschichtliche Monographien nicht nur einen anderenorts gesicherten Wissensstand referieren, sondern auch bisher noch ungelöste Probleme erörtern, nicht selten auf diffizile Interpretationsfragen eingehen müssen und in der Regel auf primärer Forschung beruhen, deren Ergebnisse ad hoc abzusichern und zu beweisen sind, ist eine FORM DER ARTIKEL zu finden, die sowohl der forschenden und argumentierenden Darstellung Raum gibt, als auch die rasche Orientierung ermöglicht. Die Artikel bieten - nach dem Kopf des Artikels (mit der vokabularen Übersetzung und den verschiedenen Sprachformen des Stichworts) und gegebenenfalls einem Abschitt über die Etymologie sowie den vor- und außermusikalischen Sprachgebrauch eines Wortes - zunächst eine Disposition des Artikels, die in lexikalischer Knappheit über die Hauptstadien der Begriffsgeschichte informiert und zugleich als sinnfälliger Wegweiser für den Aufbau und Inhalt des Artikels fungiert. Anhand der römischen und arabischen Abschnittszählung und der in Kapitälchen gesetzten Inhaltsangabe der Abschnitte (identisch in Disposition und Artikeltext) kann der Leser die folgende Ausführung der Disposition in beliebiger Ausdehnung, auch punktuell, einsehen und benutzen, wobei ihm das Schriftbild mit seinen verschieden großen Durchbrüchen und Drucktypen zu Hilfe kommt. Die Exkurse, die durch Sternchenabgrenzung, Beischrift Exkurs, Petitsatz und gegebenenfalls eigenes Literaturverzeichnis deutlich als solche gekennzeichnet sind, entlasten den Haupttext und ermöglichen Erörterungen, die nicht unmittelbar zur behandelten Begriffsgeschichte gehören, aber zu deren Verständnis beitragen.

Die Artikel sind demnach grundsätzlich so angelegt, daß der Autor Spielraum hat für die wissenschaftlich Darstellung und begriffsgeschichtliche Interpretation (bei der mitunter nicht das Wichtigste, sondern das Problematische den meisten Raum beansprucht) und dem Leser die Möglichkeit sowohl der knappen Information als auch des kritischen Nachvollzugs geboten ist. Ist das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie auch von daher gesehen selbst kein "Wörterbuch", so kann es doch gerade durch seine zugleich ordnende und begründende Darstellung zu einer Quelle künftiger musikterminologischer Lexikographie werden.

3. Grundsätzlich zu bedenken ist auch das BELEGVERFAHREN. Die Belege sind gleichsam die Beweisstücke für die Aussagen über ein Begriffswort; sie ermöglichen deren Nachprüfung und enthalten als das Original jene Nuancen, die durch keine Berichterstattung zu ersetzen sind. Daher sollten die Belege weder bloß quantitativ ausgeschüttet, noch zu sparsam wiedergegeben werden, sondern in ihrer Anzahl so bemessen und gewählt sein, daß sie die Aussagen des Artikels in der Tat 'belegen', gegebenenfalls auch die Häufigkeit und Verbreitung, die Zeitdauer, Tradition, auch traditionalistische Erstarrung, die Bestimmtheit oder Unbestimmtheit, die Nuancen und Varianten einer Wortverwendung sowie die Gründe und Folgen ihres Wandels erkennen lassen, wobei stets auch die Art der Quelle, z. B. die Qualität und der Grad ihrer Repräsentanz, mit einzukalkulieren ist. Wo die verfügbaren Belege so gering oder dunkel sind, daß sie zu keiner Schlüssigkeit führen, wird die Wiedergabe sämtlicher Belege ehrlicher sein als eine gewagte, unkontrollierbare Geschichtskonstruktion. Und im Blick auf den Umfang der Stellenwiedergabe ist davon auszugehen, daß dem Leser das beständige Nachschlagen in den Editionen erspart bleiben soll. Das bedeutet, daß einerseits die bloße Angabe von Stellen und Parallelstellen nur in Ausnahmefällen zur Ergänzung und ad libitum-Benutzung am Platze ist, und daß andererseits die Belege nicht mehr, aber auch nicht weniger Kontext bieten sollen, als zum Verständnis der Textstelle in bezug auf das Begriffswort, zur Prüfung seines Belegwertes und zur Nachprüfung der Interpretation notwendig ist. Was der hier vorgelegte Artikeltypus durch das Belegverfahren an Umfang zunimmt bzw. an Handlichkeit verliert, ist durch das Schriftbild wieder zurückgenommen: die Belege sind durch Petitsatz und Durchbrüche typographisch so gekennzeichnet, daß sie von dem Benutzer des Handwörterbuchs nach Belieben ausgelassen, mitgelesen oder studiert werden können.

4. Zu bedenken ist auch die Frage der ÜBERSETZUNG fremdsprachlicher, insbesondere griechischer und lateinischer Belegstellen. Die Artikel geben eine Übersetzung nur ausnahmsweise; bei schwer verständlichen Wörtern ist innerhalb des Zitats ad hoc eine Erklärung in Klammern eingefügt; die Beleginterpretationen sind in der Regel so abgefaßt, daß sie nicht nur das für die Begriffsgeschichte Wesentliche hervorheben, sondern auch zum Beleg hin führen, indem sie dessen Aussage sinngemäß vorwegnehmen. Dieses platzsparende Verfahren ist umso vertretbarer, also es den Irrtum des Lesens entlang von Übersetzungen ausschließt und der Leser angehalten wird, sich mit dem interpretierten Text auch selbst auseinanderzusetzen.

5. Die OFFENLEGUNG des Zustandekommens der Aussagen und die Legitimation der Ergebnisse eines Artikels betrifft nicht nur das Belegverfahren und zudem nicht nur die Angabe von Fehlanzeigen, das Eingeständnis des Nichtwissens oder der interpretatorischen Unsicherheit, sondern auch die Nennung der ausgewählten (und damit, indirekt, auch der nicht konsultierten) Quellen. So wenig es nun allerdings möglich ist, bei jedem Artikel Rechenschaft abzulegen über die Sucharbeit, kann doch von zwei Seiten her eine klare Benennung der berücksichtigten Bestände erfolgen: einerseits durch die den Artikeln beigegebenen Bibliographien, die die verarbeitete Literatur verzeichnen, andererseits durch das den Auslieferungen beigefügte "Verzeichnis der bisher verzettelten Schriften" (hierzu Bericht I, AfMw XXV, 1968, S. 245), das darüber informiert, welche Quellen - einschließlich der in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München für das Lexicon Musicum Latinum verzettelten Schriften - vollständig berücksichtigt sind; die Zettelkartei steht übrigens jedem Interessenten zur Verfügung. Berücksichtigt sind unausgesprochen auch die den Editionen beigegebenen Wortindizes, die freilich nur selten vollständig sind.

6. Im übrigen gelten für die formale Gestaltung noch die folgenden Richtlinien:

a) In DOPPEL- UND MEHRFACHTITELN werden verwendet: Schrägstrich bei Angabe des Begriffswortes in mehreren Sprachen; Komma bei Reihung sich ergänzender Begriffswörter; waagerechter Strich bei gegensätzlichen Begriffswörtern (z. B. Rondellus/ rondeau, rota; Consonantia - dissonantia).

b) Die SIGELN UND ABKÜRZUNGEN des beiliegenden Verzeichnisses werden mit wenigen Ausnahmen nicht im Darstellungstext, sondern nur in den bibliographischen Angaben gebraucht.

c) Im SCHRIFTSATZ stehen doppelte Anführungsstriche bei Zitaten und Übersetzungen, einfache Anführungsstriche bei metasprachlich verwendeten Ausdrücken; Werktitel und Überschriften aller Art erscheinen kursiv. Der Gebrauch der Klammern ist am Schluß des Abkürzungsverzeichnisses angegeben.

Belege werden nach den Originalquellen oder der jeweils neuesten Edition wiedergegeben (nach Seiten-/Zeilenzählung oder Kapitel-/Satzzählung). Quellentitel werden kursiv gesetzt und mit Datierung sowie (bei gedruckten Quellen) mit Ortsangabe versehen. Für Lexika werden Siglen gebraucht, die aus dem Autorennamen und dem ersten Buchstaben von 'Lexikon' (z. B. KochL), 'Dictionnaire' (z. B. BrossardD) usf. zusammengesetzt sind (mit anschließender Datierung).

Bei mehrmaligem Zitieren aus derselben Quelle innerhalb eines Hauptabschnitts (römische Zählung) wird die Quelle mit Autorennamen und op. cit., bei unmittelbar aufeinanderfolgenden Zitaten mit ibid. angeführt. In jedem neuen Hauptabschnitt werden Titel, Ort und Jahr wiederholt.

Orthographische Eigenheiten der Quellentexte bleiben in den Belegen weitgehend unangetastet; die Interpunktion kann sinngemäß berichtigt werden.

d) VERWEISE werden nur auf bereits veröffentlichte oder in Vorbereitung befindliche Artikel gesetzt.

e) Die BIBLIOGRAPHIE enthält in chronologischer Anordnung die begriffsgeschichtlich einschlägige Literatur, sofern notwendig mit Seiten- oder Registerhinweis; sachgeschichtliche Literatur wird nur insoweit verzeichnet, als sie sich auf terminologische Fragen einläßt. Eine eigene Bibliographie kann dem einleitenden Abschnitt über Etymologie und vor- und außermusikalischen Sprachgebrauch eines Wortes sowie den Exkursen beigegeben werden.

V

Das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie ist ein Unternehmen der Kommission für Musikwissenschaft der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz und hat seinen Redaktionssitz an der Universität Freiburg i. Br. Es entsteht in der Zusammenarbeit zwischen dem Team der ständigen Mitarbeiter, den freien Mitarbeitern, dem Lektorengremium und dem Herausgeber.

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