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Musik in Luthers Messe (seit 2013)

 

Musikinventar der Kathedralschule in Ribe, um 1580

 

Im lutherischen Gottesdienst, so liest man allenthalben, wurde das Volk aktiv: Der einstige Messgesang wurde durch Lieder in der Volkssprache ersetzt. Doch die historischen Quellen bestätigen dieses Bild nicht – überhaupt nicht.
Was aber wurde stattdessen gesungen? Im Detail fällt die Antwort vieler Quellen vage aus, doch eines ist klar: Gesungen wurde fast alles, auch die (volkssprachigen) Lesungen und Gebete. Gesprochen wurde nur die Predigt. Im Prinzip blieb der Ablauf der alten Messe gewahrt; sie erhielt nur in ihrem zweiten Teil, nach der Predigt, ein eigenes Profil, weil hinsichtlich des Abendmahls die Auffassungen der sich entwickelnden Konfessionen auseinandergingen.
Aus musikhistorischer Sicht kommt eine Frage hinzu: Wie lässt sich mehrstimmige Musik in diesem frühen Gottesdienstverständnis der Lutheraner unterbringen? Natürlich stand es nicht im Belieben eines Kirchenmusikers, welche Musik er „aufführen“ wollte – es ging allein darum, ob bestimmte Texte bzw. Gesänge der Messe nicht ein , sondern mehrstimmig dargeboten werden sollten. Doch das Angebot an Musik wirkt diffus und zugleich überreich. Klärungen wirken schwierig.
In einem deutsch-dänischen Projekt konnte eine erste Rekonstruktion vorgenommen werden: Als Dänemark das Luthertum 1536 zur Staatsreligion erklärte, wurde landesweit eine Gottesdienst-Form definiert, die „wiedererkennbar lutherisch“ sein musste. Für die Texte gibt es daher durchweg deutsche Äquivalente. Und: An der Schule der Domkirche in Ribe (Nordsee) sind in einem Inventar die Noten-Anschaffungen für genau diese Liturgie dokumentiert. Durchweg handelt es sich um Musik, die auch für deutsche Lutheraner im Fokus stand.
Die liturgischen und musikalischen Informationsschichten wurden zusammengeführt und werden seit 2015 in mehreren Veranstaltungen öffentlich präsentiert bzw. begleitet.

 

April 2015: Ostergottesdienst 1560
In den Domkirchen von Ribe (dänisch) und Schleswig (deutsch)


Gefördert als Teilprojekt durch: Europäische Union, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, Programm Interreg IV A (2013–15)


Programm (Deutsch): PDF
Programm (Dänisch): PDF


Pressedokumente:
https://www.kristeligt-dagblad.dk/kirke-tro/til-hoejmesse-som-paa-luthers-tid (Dänisch)
http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/gottesdienst-wie-zu-luthers-zeiten-id9501136.html (Deutsch)

 

Februar 2017: Messfeier zum Fest Mariä Reinigung, Rekonstruktion für 1546
Im Bremer Dom, Ensemble Weser-Renaissance, Leitung: Manfred Cordes


Mitschnitt durch Radio Bremen für NDR Kultur. Gefördert u. a. durch die Bundesbeauftragte für Kultur aus Mitteln der Luther-Dekade


Film über das Projekt:

 


Film: Pressestelle der Universität Freiburg (Manuel Devant), in Kooperation mit: Universität Bremen, Department of Mathematics and Computer Science (Prof. Dr. Manfred Wischnewsky)

 

März 2017: CD-Einspielung im Dom zu Ribe (mit nochmaligem „Konzert“)
Ensemble Musica Ficta, Kopenhagen, Leitung: Bo Holten


Gefördert u. a. aus dem Reformationsjubiläums-Fonds des dänischen Folketing


Zur Veranstaltung:
https://da.eventbu.com/ribe/rekonstruktion-af-luthersk-gudstjeneste-anno-1560/1824540 (Dänisch)

Umfassende Informationen über die CD (Thomissøn’s Easter: Reconstruction of a Lutheran service in Ribe Cathedral, 1560, featuring Clemens non Papa’s Missa Virtute magna) und Hörproben: www.dacapo-records.dk/en/recordings/thomissons-easter

 

Sommer/Herbst 2017: Forschungsresultate in der Web-Ausstellung "95 Autographe der Reformationszeit" der SLUB Dresden
Zum Projekt: reformation.slub-dresden.de/; im Herbst/Winter 2017 auch als Ausstellung vor Ort

 

Mai 2019/Frühjahr 2020: Liturgische Voraussetzungen um 1500

An der Orgel in Rysum (Ostfriesland), gebaut um 1441/42 und noch einmal verändert 1513, wurde liturgische Orgelmusik aus den ersten 100 Jahren dieses Instruments zusammengestellt und im Rahmen des 18. Krummhörner Orgelfrühling im Mai 2019 zur Aufführung gebracht. Unmittelbar anschließend produzierten Lorenzo Ghielmi (Orgel) und die Sänger des Ensemble Biscantores eine CD des Programms; sie  erschien im März 2020 beim Label www.passacaille.be/.

 

Februar 2020: Johann Knöfel, Cantus Choralis (1575)

Beratung bei der Konzertplanung des Ensembles Weser-Renaissance in dessen Projekt "Im Herzen Europas: Musik aus dem alten Breslau"

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