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SoundCaching (2014–2016)

SoundCaching Forschungsperspektiven                                                             

 

SoundCaching ist ein Projekt nutzergenerierter Soundkartographie, Speicherung, Beschreibung und Austausch durch und auf ubiquitären Medien wie Tablets und Smartphones mit einem hohen spielerischen und kreativen Anteil. Es ist aus einer Studierendeninitiative hervorgegangen und gewann 2014 beim Hochschulwettbewerb »Mehr Bits als Bytes«. Was auf den ersten Blick wie eine auditive Variante eines »Location Based Mobile Gaming« aussieht, enthält bei genauerem Hinsehen ein ganzes Spektrum spannender Fragen und Perspektiven, deren vertiefte Beobachtung zu einem erweiterten Verständnis aktueller kulturverändernder Prozesse führt. In der Musikwissenschaft sind das Potential mobiler auditiver Medien, die Nutzung, Entwicklung und die damit einhergehenden Auswirkungen und Veränderungen weitgehend unerforschtes Neuland. Selbst in einschlägigen Medienwissenschaften sind die Nutzungsparadigmen moderner Medien nur ansatzweise untersucht. Das Freiburger Lehr- und Forschungszentrum Musik setzt sich damit an die Spitze eines zukunftsweisenden Forschungsbereichs. Die vom SoundCaching-Projekt ausgehende Forschung knüpft interdisziplinär an diverse Fachdiskurse an.

Die Aufmerksamkeit auf und das Sammeln von Umgebungsklängen und Geräuschen tangiert unter dem Aspekt einer performativen Aneignung von Landschaft als räumliche Praxis Teile der Humangeografie und knüpft mit dem Erstellen von Soundkartografien an das Web Mapping der Neogeografie an. Städte und Landschaften werden im Spiel als temporäre Bühnen genutzt. SoundCacher archivieren die Umgebung als Klangquelle, bearbeiten und kommunizieren Sounds und verwenden sie weiter. Dabei verfließen die Grenzen zwischen öffentlichen und privaten, aber auch zwischen physischen und virtuellen Räumen, wie in derzeitigen soziologischen Diskursen verhandelt wird. Als Akteurinnen und Akteure partizipieren alle, die es wollen, unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht.

Außer in Urban Games spielen Klangkartografien vor allem in künstlerischen Konzepten wie Soundscapes und Sound Walks eine Rolle. Die Fokussierung auf einzelne Klänge und Geräusche, auf Vor- und Hintergrundrauschen, auf Richtungshören und Aufmerksamkeitsswitchen zwischen einzelnen Klangereignissen hat zu einem gesteigerten Interesse an neuer cross- und multimodalen Wahrnehmungsforschung geführt. Hören spielt darin eine prominente Rolle sowohl in Bezug auf die Klangphänomenologie als auch in Bezug auf die heutige Praxis mobilen Hörens. So diskutieren unter dem Stichwort »iPod Culture« hauptsächlich Vertreterinnen und Vertreter aus Soziologie, Pädagogik, Musikwirtschaft und Technikgeschichte das Phänomen und was es für die Perzeption und die Rezeption audiovisueller Signale bedeutet.   

Durch die spielerische Handlung mit Alltagsgeräuschen wird die Aufmerksamkeit auf deren versteckten Potentiale geweckt. Künstlerinnen und Künstler entwickeln dabei eigene, als ›Klangforschung‹ verstandene Aktionen. Hier entstehen Schnittstellen zu neuen Formaten der Wissensgenerierung zwischen kognitiver und sensorischer Erfahrung wie Erkenntnis, die zu erweiterten ästhetischen Fragestellungen führen. Darüber hinaus lassen sich Verbindungen zu historischen Kunstrichtungen wie »Land Art«, »Soundscapes« und Geräuschkompositionen ziehen, auch zu aktuellen Themen wie den historischen Klangarchiven und historischen Klangkonzepten. Vor allem kann die vom SoundCaching ausgehende Forschung auch antizipierend Fragen entwickeln, etwa zum 3-D-Hören in der »digital Concerthall« und die weitergehende Forschung, was das für die Rezeption von Musik bedeuten kann.

 

Projektleitung Forschung:

 

Prof. Dr. Janina Klassen (j.klassen@mh-freiburg.de), Prof. Dr. Rainer Bayreuther (rainer.bayreuther@mh-trossingen.de), Dr. Anne Holzmüller (anne.holzmueller@muwi.uni-freiburg.de).


Weitere Informationen:

Hochschulwettbewerb 2014

Wissenschaft im Dialog

Wissenschaftsjahr 2014

 

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